Gib Dir selbst am meisten – Die Geschichte von John…

John reiste heute ab. John verbrachte die vergangenen zwei Wochen auf Fuerteventura, genau wie wir. Zwei Blondies die außer in der Sonne zu liegen keinerlei nennenswerte Ziele während unserer kleinen Hamburger-Schiedwedder-Auszeit in einem All-Inclusive-Hotel auf Fuerteventura hatten.

   

John hingegen war immer auf den Beinen. John war Alleinreisender, Engländer und in einem Alter, in dem er definitiv schon erwachsene Kinder gehabt haben könnte. John trug stets einen Hut zur Sonnenabwehr, Sandalen und einen hoch geschnallten Rucksack. Vor allem trug John aber stets eines:

Ein herzliches, warmes Lächeln.

John und ich kamen ins Gespräch als wir von unseren benachbarten Balkonen aus die sinkende Sonne über dem Meer betrachteten. Es war ein kurzer Plausch. Zwei bis drei belanglose Sätze. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

Von diesem Tag an begegnete uns John regelmäßig. Während wir in der Lobby, dem einzigen WLAN-fähigen Ort im Hotel, an unseren Smartphones süchtelten, rief uns John, der gerade auf dem Weg ans Meer war, ein „You should go down and catch the sunset“ zu. Lächelte und verschwand. 

 

Am kommenden Morgen trafen John und ich uns am Toaster und unterhielten uns darüber, wessen Wecker es wohl gewesen sei, der im Urlaub in einem der Nachbarzimmer so früh und laut schrillte. Er wünschte uns einen schönen Tag und ging.

Als wir, dem Hitzetod nahe aber süchtig nach Wärme und Bräunungspotential, in der Mittagssonne am Pool schmorten, kam John vorbei und brachte uns zwei Gläser mit Wasser. Einfach so. „You will need it.„, sagte er, lächelte und verschwand.

Am kommenden Morgen am Toaster fragte mich John, was unser Plan für den Tag sei. Um nicht einfach beschämt sagen zu müssen „es gibt keinen außer faul am Pool herum zu liegen“ rechtfertigte ich mich damit, dass der Plan in diesem Urlaub sei, „absolutely nothing“ zu tun. John erinnerte sich auch ein paar Stunden später noch daran und brachte uns erneut zwei Gläser Wasser zum Pool. „You said you want to do absolutely nothing. Here you are. But I do not do lunch service. You need to do that on your own.“, zwinkerte und verschwand.

Heute morgen am Toaster sagte John: „We should stop meeting here. I will leave today. Tomorrow you need to do that alone.“ Bevor er abreiste verabschiedete sich John und erwähnte noch einmal lächelnd, dass er sich gefreut habe, unsere Bekanntschaft zu machen.

Komisch? Aufdringlich? Ein einsamer Kauz, der die Nähe zweier Mädchen sucht, die seine Töchter hätten sein können?

Nein, Blödsinn. Einfach nur freundlich. Aus tiefstem Herzen freundlich!

Zu oft verwechseln wir Freundlichkeit von Fremden uns gegenüber mit Aufdringlichkeit weil wir dieses Verhalten schlichtweg nicht gewöhnt sind. Zu sehr leben wir Tag für Tag neben unseren Mitmenschen her als uns für sie zu interessieren und Ihnen mit Offenheit und Lebensfreude zu begegnen.

John war nicht eigenartig. John war schlichtweg menschlich. Nett. Herzensgut. Er hatte etwas erkannt, wovon die meisten von uns weit entfernt sind: Von der Freude am Geben. Geben, ohne selbst etwas dafür zu bekommen. Denn niemand kann Dir inneres Glück und Zufriedenheit geben, außer Du selbst. 

Wenn Du anderen gibst, gibst Du Dir selbst am meisten. 

Alles Liebe,

Anni

10 Gedanken zu “Gib Dir selbst am meisten – Die Geschichte von John…

  1. ich bin ne Jane 😀 und leider wird das oft als flirten falsch verstanden, was doof is..schön das Ihr den John verstanden habt, echte netter Typ wie es aussieht…so jetzt hab ich auch Lust auf Sonne und Sand, hach ja

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    1. Absolut richtig! Nettigkeit wird oft als Flirten gedeutet – ein weiterer Aspekt zu diesem Thema. Und wenn uns derjenige nicht passt, haben wir keine Lust „zurückzuflirten“. Aber warum sollten schon jeder mit uns flirten wollen. Manchmal ist jemand einfach nur nett! 🙂

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      1. ja meine Erfahrung ist auch das dann schnell Abwehrverhalten aufkommt wenns als flirten verstanden wird und man dann auch schon mal komische Unterstellungen bekommt. Ich halte mich da aufjedenfall inzwischen mehr zurück, auch weil ich nicht verletzt werden will. Frauen sind da meistens offener, so meine Erfahrung, von daher kommt man da auch eher ins Gespräch.

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  2. Hi,
    jeder kann ein bisschen wie John sein.
    Wenn ich alleine spazieren gehe, lächle ich manchmal einfach entgegenkommende Leute an und sage „Moin“. Man glaubt gar nicht, wie viele nette „Moins“ man zurück bekommt.
    Und wieviel Energie für den Tag man gewinnt.

    Moin, Marianne
    alleinereisenjetzt.wordpress.com

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