Ein Brief von Paul…oder…die hohe Kunst der Freundlichkeit

Ich lebe auf einer Großstadt-Baustelle. Öffne ich morgens das Schlafzimmerfenster, so begrüßt mich der Anblick eines gelben Baukrans samt grell leuchtendem Baustrahler. Öffne ich das Fenster des Wohnzimmers, versüßen mir die zarten Klänge eines die Straßendecke aufstemmenden Presslufthammers den Start in den Tag. Wahlweise übernehmen diesen Job auch Bohrmaschinen oder Kreissägen vom gegenüber entstehenden Neubau. Außerdem äußerst beliebt: Zufahrtstraßen blockierende Bagger oder LKW und umzugs- oder baustellenbedingte Halteverbotszonen.

Als erfahrener Großstädter mit fahrbarem Untersatz weißt Du was das mit sich bringt:
Den täglichen, unerbitterten Kampf um einen halbwegs akzeptablen Parkplatz. Um einen Parkplatz, bei dem Du nicht direkt den Besuch des Abschleppdienstes, sondern allenfalls ein Knöllchen riskiert – schließlich sinken in der Verzweiflung die Ansprüche!

Doch wo man sie am wenigsten erwartet, da warten oftmals zauberhafte Überraschungen! Neben Knöllchen sammle ich neuerdings auch Briefe, die mir von Parkplatzrivalen an die Windschutzscheibe geklemmt werden.

 

 
Brief Nummer eins entsprach dem Klassiker und bedarf keiner weiteren Erläuterung – Pöbeleien à la „was fiele mit ein so zu parken“.

Brief Nummer zwei hingegen versüßte mir den Tag und sein Autor hätte es vermutlich nie für möglich gehalten, damit auf meinem Blog „berühmt“ zu werden:

Guten Morgen 🙂
Die Parkplatzsituation ist definitiv verbesserungswürdig bei uns in Hamburg, aber ich möchte Sie dennoch bitten, morgen einen Meter weiter vorn zu parken, da es für unsere Lieferanten so sehr schwierig ist, um die Ecke auf den Hof zu fahren. 

Vielen Dank und einen schönen Vize-Freitag sowie morgen einen guten Start ins Wochenende!

Lieben Gruß,
Paul

So geht freundlich!
So geht „ein Lächeln am Morgen ins Gesicht einer Fremden zaubern“!
So geht Menschlichkeit!
Eigentlich ganz einfach oder? Eine gute Tat am Tag – Paul, Check!

Im Straßenverkehr sind wir alle Feinde. Hier herrscht ein harter Ton, hier wird gehupt und gemotzt. Nein, das mag ich nicht! Danke Paul, so mag ich das – nie wieder werde ich Deine Einfahrt zuparken.

Lasst uns alle ein wenig mehr Paul sein!

Alles Liebe,
Anni

Ein Gedanke zu “Ein Brief von Paul…oder…die hohe Kunst der Freundlichkeit

  1. Moin Anni,
    kann ich nur zu gut nachvollziehen 🙂 aber Pöbeleien von Nachbarn am Auto gehen mal gar nicht Habe es neulich auch gesehen … Da parkte ein kleines süßes Auto (es war kein Mini 🙂 ) etwas unglücklich. Okay, eigentlich nicht schön aber wer stand schon mal nicht so wenn er nach der Standard-Feierabendzeit nach Hause gekommen ist?!
    Beim Spaziergang fiel uns dann ein Zettel mit übelsten Beleidigungen auf. Ich war echt schockiert… Da denkt man in Ottensen wohnen normale entspannte Leute… Na ja wohl nicht 🙂
    Liebe Grüße Sandra
    aka maedchenausaltona.de

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