Minimalismus – Wie ein Buch mein Denken verändert hat…

Auf Instagram stieß ich vor etwa einem halben Jahr auf das Buch „Einfach Leben – Der Guide für einen minimalistischen Lebensstil„. Ich sah es, und wollte es haben! Warum? Natürlich, weil es hübsch war!

Tatsächlich war das Thema des Buches für mich auf den ersten Blick zweitrangig – sollte es mich nicht interessieren, so landet es eben dekorativ auf meinem Stapel hübsch anzusehender Bücher im Wohnzimmer und erfüllt zumindest damit seinen Zweck. Doch tatsächlich kam es anders und dieses wunderhübsche Buch weckte von Beginn an den Drang in mir, zu missionieren: Ich habe da sooo ein tolles neues Buch…über Minimalismus…das musst Du auch lesen…ich glaub ich werde zum Öko!



Vom „Öko“ im vermeintlich klassischen Sinne bin ich tatsächlich noch weit entfernt, doch dieses Buch hat mich nachhaltig berührt und meine Gewohnheiten in vielerlei Hinsicht verändert. „Einfach leben“ ist ein zauberhaft schön gestaltetes Buch, welches das Thema „Minimalismus“ in den Bereichen Wohnen, Mode, Körper und Lifestyle beleuchtet.

Schon immer habe ich es geliebt, aufzuräumen und auszumisten – ich mag dieses anschließende Gefühl der Klarheit. „Einfach leben“ hat mich darin bestärkt, hier zukünftig deutlich radikaler vorzugehen. Alles was ich seit dem Einzug dieses Buches nicht regelmäßig nutzte, musste gehen. Vieles nahm ich in die Hand, drehte und wendete es, um es anschließend lächelnd in die Flohmarkt-Kiste zu legen. Allein meinen Kleiderschrank unterzog ich mehreren Ausmisten-Aktionen.

Immer wenn ich dachte „So, den Rest brauche ich noch“ bemerkte ich ein paar Wochen später „Da geht noch mehr, getragen habe ich doch nur meine Lieblingsteile.“

Und genau darum geht es doch beim „Minimalismus“ – um ein Leben, welches nur noch aus Lieblingsteilen besteht. Pick Dir die Rosinen raus! Mehr Leichtigkeit, weniger Ballast – ein schöner Gedanke, oder?

Aus diesem schönen Gedanken wurde Realität. Mein näheres Umfeld konnte die Worte Ausmisten, Flohmarkt und Kleiderkreisel sicher schon nicht mehr aus meinem Mund hören – doch ich war und bin im Minimalismus-Rausch. So ein Flohmarkt-Besuch (wohl bemerkt zum VERkaufen, nicht zum KAUFEN) bringt so einige Vorteile mit sich:

  • Du wirst unnötigen Ballast los,
  • füllst ganz nebenbei Deine Haushaltskasse auf
  • und gehst anschließend viel bedachter mit jedem hart verdienten Euro um.

Doch „Einfach leben“ geht tiefer, als nur ans Ausmisten des Kleiderschranks. Minimalismus ist eng mit Nachhaltigkeit, Wertigkeit und gut zu sich selbst und seinen Mitmenschen zu sein verknüpft. Was hat sich also verändert?

  • Mein Kleiderschrank hat sich halbiert – Schuhe, Taschen und Kleidung wurden gespendet, verschenkt oder verkauft. Und was ich früher nie für möglich gehalten hätte: Während mich große, billige Modeketten wir H&M, Zara und ja, ich gebe es zu,  auch Primark, in einen regelrechten Glücksrauch versetzen konnten, überkommt mich nun ein tiefe Abneigung und ein beklemmendes Gefühl, bei Gedanken an die Wertlosigkeit all der Waren, die dort angeboten werden. (Und nein, Esprit, S.Oliver und vermeintlich „hochwertige“ Marken sind kein Stück besser!) Ausgelöst hat dies die Reportage „The true Cost – Der Preis der Mode„. Sicher, wir alle wissen, dass „Billigmode böse ist“. Und es mag verrückt klingen, aber seit dieser Reportage weiß ich es nicht nur, ich fühle es auch.
  • Modeschmuck adé – Ein paar Teile durften für den alljährlichen Schlagermove-Besuch bleiben. Alles andere verschwand. Vorbei die Zeiten von farblich passenden Accessoires in allen erdenklichen Farben und Formen. Eine begrenzte Auswahl hochwertiger Schmuckstücke  aus edlen Materialien, die ich regelmäßig trage und die meinen Stil widerspiegeln, erfüllen mich schon seit einiger Zeit weitaus mehr.
  • Schmeißt die Möbel aus dem Fenster wir brauchen Platz zum dancen – oder eben zum Atmen und Leben. Was Deichkind in einem Song so schön formuliert hat, habe ich mit zahlreichen Dekoobjekten umgesetzt. Wohl bemerkt: Ich liebe schön anzusehende Dinge! Es gab kein Duftkerzchen oder Staubfängerchen ein zarten Pastelltönen oder mit etwas BlingBling, was noch vor wenigen Jahren vor mir sicher war. Alles wurde gekauft und hübsch arrangiert. Auch heute noch liebe ich „das Schöne“. Das Schöne wird heute nur deutlich reduzierter eingesetzt. Weiße Wände statt Bilder und Fotos so weit das Auge reicht, frische Blumen statt opulenter Deko. Vor allem in einem leeren Schlafzimmer schläft es sich um Längen besser, als in einem vermeintlich gemütlich „zudekoriertem“.
  • Weniger Töpfchen und Tiegelchen im Badezimmer  – Mal ehrlich, hätte die Natur den Menschen so wie er ist konzipiert, wenn er nicht ohne all die Cremes und Chemikalien auskommen würde? Ich liebe es, mich schön zu machen. Dazu gehören auch Make Up und Nagellack. Doch viel glücklicher macht es mich mittlerweile, in meinen leeren Badezimmerschrank zu schauen. Haare mit Natron waschen und mit Apfelessig spülen? Eine Gesichtsmaske aus Tonerde selber anrühren? Abschminken und Eincremen mit Kokosöl? Zähneputzen mit Bio-Zahnputztabs? Ein Zungenreiniger aus Edelstahl? Alles für Ökos? Joa, und für mich! Nachhaltigkeit im Badezimmer macht zufrieden – probier´s mal aus!
  • Plastikflaschen und Coffee to go – Dass ich mal so eine Trulla werden würde, die eine Glasflasche mit Wasser samt Kräutern und Gurkenscheiben drin mit sich herum trägt…ja wer hätte es gedacht! Doch Glasflaschen sind nachhaltiger und verschaffen zumindest mir, tatsächlich ein angenehmeres Trinkgefühl. Darüber hinaus versuche ich den Müll für einen spontanen Coffee to go wirklich nur im Notfall zu produzieren – lieber einmal mehr inne halten und einen Kaffee aus einer echten Tasse in Ruhe genießen. Die Halbwertzeit eines solchen Pappbechers ist wirklich dramatisch!
  • Weniger putzen, aber dafür ohne Chemie – Das Tolle am Minimalismus ist ja, dass man um deutlich weniger Gedöns herum putzen muss. Wo weniger steht, staubt weniger ein. Der Haushalt erledigt sich also deutlich schneller. Erstmals habe ich mir zudem kürzlich Gedanken, um nachhaltiges Putzmittel gemacht. Denn mal ehrlich: Was wir da alles an Chemikalien in unser Trinkwasser schütten, kann mit normalem Menschenverstand nicht vertretbar sein. Deshalb erstrahlt meine Küche nun in einem Glanz, der dank einer selbstgerechten Mischung aus Essig, Wasser und Orangenschalen zustande kommt. Eines der vielen tollen Rezepte aus meinem neuen „heiligen Buch“.
  • Besser Bio essen – Ich gebe zu: Beim Thema „besser essen“ hapert es bei mir noch am meisten. Der Geist ist seeeeehr, sehr willig, doch der Körper noch oft zu schwach. Zu sehr habe ich oftmals Lust auf konventionelles Junk-Food. (Was hingegen gut klappt ist der Verzicht auf Fleisch, Milch ubd Käse) Dazu kommt, dass das Einkaufen auf dem Wochenmarkt und im Bio-Laden natürlich moralisch wertvoller und auch deutlich schöner ist. Dennoch spielt sich meine Realität aus Zeit- und Geldgründen meist eher gegen 22 Uhr bei Rewe oder im Discounter ab. Shame on me – aber zu viel Perfektion auf einmal, wäre auch auch langweilig.
  • Meditation und innere Haltung –  Minimalismus räumt die Seele auf! Klingt komisch, geht mir aber so. Befasst Du dich weniger mit materiellen Dingen, so bleibt ganz automatisch mehr Zeit, Dir Gedanken über die tieferen Sinnfragen des Lebens zu machen.

Lange Rede, viel Sinn! Ich freue mich, wenn Du diesen Beitrag bis zum Ende gelesen hast, und Dir vielleicht sogar danach ist, ihn mit Deinen Freunden zu teilen. Er liegt mir am Herzen. (Und dass jeder am Ende des Tages für sich selbst entscheidet, was er für sich als richtig erachtet, steht außer Frage.)

Alles Liebe,

Anni

2 Gedanken zu “Minimalismus – Wie ein Buch mein Denken verändert hat…

  1. Liebe Anni,
    vielen Dank für den inspirierenden, schön geschriebenen Artikel. Die Botschaften aus dem Buch klingen echt gut. Vielleicht schenk ich mir das direkt selbst? Vor allem passt es wunderbar, da ich dieses Wochenende ohnehin mit Ausmisten verbringen will. Perfekter Einstieg also.
    Viele Grüße
    Claudia

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